"Lausiger Journalismus" - Wie Michael R. Gordon abermals zum Schlag ausholt
Die eventuelle Verstrickung des BND in den Irakkrieg (sei es nun mit Wissen oder Billigung der Bundesregierung oder ohne) zieht in Deutschland immer weitere Kreise. Es geht nicht nur um die Glaubwürdigkeit der Rot-Grünen Bundesregierung (deren Antikriegskurs merkwürdigerweise auch heute immer noch ambivalent gesehen bzw. als Wahlkampfmasche denunziert wird), sondern um die Glaubwürdigkeit deutscher Politik generell.
Umso verwunderlicher, dass die Medien den Nachrichten der „New York Times“ (NYT), also einer einzigen Quelle, derartige Aufmerksamkeit und vor allem einen solchen Wahrheitsgehalt zubilligen.
Sollte doch der (schändliche) Auftritt im Februar 2003 des damaligen US-Außenministers Colin Powell vor den Vereinten Nationen in Erinnerung sein, in dem er - auch angeblich unumstössliche - „Beweise“ für eine umfassende Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen durch den Irak „präsentierte“, die sich nachträglich als eine Mischung dreister Lügen und infantiler Spinnerei entpuppten.
Wenn sich also jetzt der Journalist der New York Times auf Geheimdienstquellen beruft und seine im Detail widersprüchlichen Angaben vorlegt, so müsste man gewarnt sein. Und wenn man sich die Person dieses Journalisten genauer ansieht, erst recht.
Michael R. Gordon, der „renommierte Militärexperte“ („Die Zeit“), der auch mal gerne als „Verteidigungsexperte“ bezeichnet wird, und für die FAZ als "zuverlässig" gilt, ist ein Bush-Adept. Der Zeitpunkt seiner Veröffentlichungen ist gut gewählt, denn am 14. März erscheint sein neues Buch (Co-Autor: Bernhard E. Trainor, pensionierter General des US-Marine Corps): "Cobra II: The Inside Story of the Invasion and Occupation of Iraq". Ein bisschen Werbung im Vorfeld schadet nie.
Die Buchveröffentlichung alleine ist es nicht. Gordon ist seit je eine schillernde Figur. Seine Pro-Irakkrieg-Artikel (auch in der NYT) spiegelten eilfertig die Regierungsmeinung wider. Gordon war der "Erfinder" der "roten Linie" - sobald diese überschritten sei, werde Saddam Hussein Chemiewaffen einsetzen. Nun, die "rote Linie" gab es nicht. Er sass den Lügen auf, auch seinen eigenen; ein Überzeugungstäter.
Im August 2003, als die Massenvernichtungswaffen unauffindbar blieben, „belegte“ er, dass Saddam Hussein sie kurz vor dem Kriegsbeginn vernichtet habe, um den Kriegsgrund zu verschleiern. Im Buffalo Report wurde dieser Artikel auseinandergenommen („schlaffe Prosa“; „vermeintliche Fakten“; „lausiger Journalismus“).
Einige von Gordons Artikel (sowie seiner Kollegin und Zuarbeiterin Judith Miller) veranlasste die NYT Mitte 2004 öffentlich Versäumnisse (failures) in der damaligen Berichterstattung einzuräumen.
Mit Richard Bernstein, dem Deutschland-Korrespondenten der NYT, hat Gordon einen Mitstreiter im Geiste gefunden. Beide scheinen aus ihrer neokonservativen Gesinnung, mit der sie (freundlich formuliert) europäische „Emanzipationsbestrebungen“ (bzw. das, was sie dafür halten) als „Verrat“ empfinden, keinen Hehl zu machen. Ihre Loyalität gilt ausschliesslich den kruden Interessen der USA.
Schlimm ist, dass bei uns das offensichtlich gezielt gestreute Informationsmaterial aus US-Regierungskreisen als Wahrheit aufgefasst wird, nur weil es von der NYT kommt. Die Art der Verwirrung könnte dokumentieren, dass der BND nicht immer exakt gemäss der aussenpolitischen Linie der Regierung gearbeitet hat; eine Binsenweisheit übrigens, denn Geheimdienste operieren oft genug autark.
Wie Hyänen stürzen sich die Journalisten auf die kindischen Kritzeleien, die als "geheimes Material" deklariert werden ("Schneckenplan"; übrigens interessante Parallelen zur Propaganda-Lüge der "Operation Hufeisen" während des Kosovo-Krieges 1999). Natürlich muss den Vorwürfen begegnet und diese untersucht werden. Man muss aber schauen, welche "Quellen" genannt werden und wes Geistes Kind ihre Verbreiter sind. Also wäre Vorsicht geboten.
Eigentlich eine wichtige journalistische Tugend, oder?
Umso verwunderlicher, dass die Medien den Nachrichten der „New York Times“ (NYT), also einer einzigen Quelle, derartige Aufmerksamkeit und vor allem einen solchen Wahrheitsgehalt zubilligen.Sollte doch der (schändliche) Auftritt im Februar 2003 des damaligen US-Außenministers Colin Powell vor den Vereinten Nationen in Erinnerung sein, in dem er - auch angeblich unumstössliche - „Beweise“ für eine umfassende Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen durch den Irak „präsentierte“, die sich nachträglich als eine Mischung dreister Lügen und infantiler Spinnerei entpuppten.
Wenn sich also jetzt der Journalist der New York Times auf Geheimdienstquellen beruft und seine im Detail widersprüchlichen Angaben vorlegt, so müsste man gewarnt sein. Und wenn man sich die Person dieses Journalisten genauer ansieht, erst recht.
Michael R. Gordon, der „renommierte Militärexperte“ („Die Zeit“), der auch mal gerne als „Verteidigungsexperte“ bezeichnet wird, und für die FAZ als "zuverlässig" gilt, ist ein Bush-Adept. Der Zeitpunkt seiner Veröffentlichungen ist gut gewählt, denn am 14. März erscheint sein neues Buch (Co-Autor: Bernhard E. Trainor, pensionierter General des US-Marine Corps): "Cobra II: The Inside Story of the Invasion and Occupation of Iraq". Ein bisschen Werbung im Vorfeld schadet nie.
Die Buchveröffentlichung alleine ist es nicht. Gordon ist seit je eine schillernde Figur. Seine Pro-Irakkrieg-Artikel (auch in der NYT) spiegelten eilfertig die Regierungsmeinung wider. Gordon war der "Erfinder" der "roten Linie" - sobald diese überschritten sei, werde Saddam Hussein Chemiewaffen einsetzen. Nun, die "rote Linie" gab es nicht. Er sass den Lügen auf, auch seinen eigenen; ein Überzeugungstäter.
Im August 2003, als die Massenvernichtungswaffen unauffindbar blieben, „belegte“ er, dass Saddam Hussein sie kurz vor dem Kriegsbeginn vernichtet habe, um den Kriegsgrund zu verschleiern. Im Buffalo Report wurde dieser Artikel auseinandergenommen („schlaffe Prosa“; „vermeintliche Fakten“; „lausiger Journalismus“).
Einige von Gordons Artikel (sowie seiner Kollegin und Zuarbeiterin Judith Miller) veranlasste die NYT Mitte 2004 öffentlich Versäumnisse (failures) in der damaligen Berichterstattung einzuräumen.
Mit Richard Bernstein, dem Deutschland-Korrespondenten der NYT, hat Gordon einen Mitstreiter im Geiste gefunden. Beide scheinen aus ihrer neokonservativen Gesinnung, mit der sie (freundlich formuliert) europäische „Emanzipationsbestrebungen“ (bzw. das, was sie dafür halten) als „Verrat“ empfinden, keinen Hehl zu machen. Ihre Loyalität gilt ausschliesslich den kruden Interessen der USA.
Schlimm ist, dass bei uns das offensichtlich gezielt gestreute Informationsmaterial aus US-Regierungskreisen als Wahrheit aufgefasst wird, nur weil es von der NYT kommt. Die Art der Verwirrung könnte dokumentieren, dass der BND nicht immer exakt gemäss der aussenpolitischen Linie der Regierung gearbeitet hat; eine Binsenweisheit übrigens, denn Geheimdienste operieren oft genug autark.
Wie Hyänen stürzen sich die Journalisten auf die kindischen Kritzeleien, die als "geheimes Material" deklariert werden ("Schneckenplan"; übrigens interessante Parallelen zur Propaganda-Lüge der "Operation Hufeisen" während des Kosovo-Krieges 1999). Natürlich muss den Vorwürfen begegnet und diese untersucht werden. Man muss aber schauen, welche "Quellen" genannt werden und wes Geistes Kind ihre Verbreiter sind. Also wäre Vorsicht geboten.
Eigentlich eine wichtige journalistische Tugend, oder?
Gregor Keuschnig - 2006-03-06 09:09


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